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Hall of Fame

Dagmar Hirtz

Nach ersten Erfahrungen im Kopierwerk und als Assistentin des bekannten Schnittmeisters Carl Otto Bartning (Die Brücke, 1959), suchte und fand Dagmar Hirtz schnell neue Herausforderungen: Bei Kurt Hoffmann (Das Haus in der Karpfengasse, 1971) und Rudolf Noelte (Das Schloß, 1971) zeichnete sie im »Learning by Doing«-Verfahren direkt für den gesamten Schnitt und teilweise auch die Regieassistenz verantwortlich. Das so im Rahmen von »Papas Kino« der alten Schule erworbene Handwerk nutzte Hirtz schon bald dafür, gemeinsam mit Regisseuren ihrer Generation das bundesdeutsche Kino zu erneuern – bereits 1967 montierte sie mit Tätowierung (Johannes Schaaf) einen der ersten Langfilme im neuen Geist des Oberhausener Manifests: »Ich war ehrgeizig genug, mir vieles selbst beizubringen – das war ideal für die beginnende Arbeit mit jungen Regisseuren wie Johannes Schaaf, der damals noch nicht sehr erfahren, aber genauso neugierig war wie ich.«

Es folgten kreative Zusammenarbeiten mit prägenden Filmemachern des Neuen Deutschen Films wie Michael Verhoeven, Jeanine Meerapfel, Herbert Vesely, Volker Schlöndorff, vor allem aber mit Margarethe von Trotta. Eine weitere jahrelange fruchtbare Arbeitsbeziehung verbindet Dagmar Hirtz mit Maximilian Schell, dessen Regiearbeiten sie fast ausnahmslos schnitt. Auf Basis einiger, mit der Montage von Filmen gekoppelten Regieassistenzen, vor allem aber aus ihren vielfältigen Erfahrungen in fast allen Bereichen der Postproduktion heraus entstand schließlich der Wunsch nach mehr Verantwortung und Risikofreude – Dagmar Hirtz widmete sich ab Ende der 90er Jahre vor allem eigenen Regiearbeiten. Und als erfahrene Editorin weiß sie genau um die Notwendigkeit eines professionellen Abstands zum gedrehten Material während des Montageprozesses, darum schneidet sie ihre Filme nicht selbst, sondern schätzt den frischen Blick von außen im gleichwertigen Zusammenspiel mit ihrer Stammeditorin Nicola Undritz.
Auswahlfilmografie

1964 Dr. med Hiob Prätorius. Kurt Hoffmann
1965 Irrungen – Wirrungen. Rudolf Noelte
1965 Das Haus in der Karpfengasse. Kurt Hoffmann
1966 Hokuspokus oder Wie lasse ich meinen Mann verschwinden? Kurt Hoffmann
1967 Tätowierung. Johannes Schaaf
1968 Das Schloß. Maximilian Schell
1969 Erste Liebe. Maximilian Schell
1971 Trotta. Johannes Schaaf
1972 Die Pfarrhauskomödie. Veit Relin
1973 Der Fußgänger. Maximilian Schell
1975 Der Richter und sein Henker. Maximilian Schell
1975 Ansichten eines Clowns. Vojtech Jasny
1976 Der Mädchenkrieg. Alf Brustelin, Bernhard Sinkel
1977 Taugenichts. Bernhard Sinkel
1979 Geschichten aus dem Wienerwald. Maximilian Schell
1980 Sonntagskinder. Michael Verhoeven
1980 Egon Schiele – Exzesse. Herbert Vesely
1980 Malou. Jeanine Meerapfel
1981 Die bleierne Zeit. Margarethe von Trotta
1983 Marlene. Maximilian Schell
1983 Krieg und Frieden. Episoden 4-8. Volker Schlöndorff
1983 Heller Wahn. Margarethe von Trotta
1984 Unerreichbare Nähe. Dagmar Hirtz
1986 Rosa Luxemburg. Margarethe von Trotta
1988 Ödipussi. Vicco von Bülow
1988 Himmelsheim. Manfred Stelzer
1989 Georg Elser – Einer aus Deutschland. Klaus Maria Brandauer
1990 Das serbische Mädchen. Peter Sehr
1990 Homo Faber. Volker Schlöndorff
1992 Salz auf unserer Haut. Andrew Birkin
1994 Moondance. Dagmar Hirtz
1997 Through Roses. Jürgen Flimm
Film+ ist eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Filmstiftung NRW und der Stadt Köln,
unterstützt von der Stiftung Kulturwerk der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst